Betrachtungen zu Cookies
Und was das, zum Geier, eigentlich ist ....


Also zuallererst sein angemerkt, daß es hier nicht um die Art Kekserl geht, mit denen automatisch Amsterdam assoziiert wird.
Es geht um eine elektronische Spezialität die sich gerne im Internet herumtreibt, aber trotzdem zu einem flauen Gefühl im Magen führen kann.

Cookies, sind etwas vereinfacht gesprochen, ein Mascherl, daß ein Webserver einem Webbrowser umhängen kann um ihn wieder zu erkennen, falls er wiedermal vorbeischaut.
Dieses Feature wurde vor Jahren von der Firma Netscape eingefüht um eine Personalisierung einer Website zu ermöglichen. So kann die kleine Lisa vom Webserver wiedererkannt werden und, sofern sie sich irgendwie eingetragen hat, auch mit "Hallo Lisa" auf Lisas Lieblingsseite usw. begrüßt werden. Und das ganze soll automatisch gehen, ohne Passwort-getippe. So war das (vermutlich) gedacht.

Netscape hat allerdings etwas zuviel Geheimhaltung bei der Einführung dieses Features betrieben und so wurden viele User aufgeschreckt als bekannt wurde, daß ein (böser) Webserver plötzlich jedem User einen Stempel aufdrücken kann, beliebige Datein von der Festplatte liest (was nicht stimmt) und diese auch gleich wieder mit Datenschrott zumüllt. Schluß mit der Anonymität im Web.

Stimmt das ?
Nun ja. Manche Argumente sind nicht ganz von der Hand zu weisen, ich möchte jedoch zuerst die technischen Grundlagen erläutern (ist nicht schwer) und mich dann etwas über die Konsequenzen auslassen.

Was ist ein Cookie ?
Es ist nicht aus Mehl und Zucker sondern ein Eintrag in einem File, das der Webbrowser auf der Festplatte in einem gesonderten Bereich ablegt.
Ein Cookie enthält folgende Elemente:
NAME ... der Name des Cookies.
expires ... Ablaufdatum.
path ... Zielverzeichnis am Clientrechner.
domain ... gibt an von welche Domain(s) das Cookie gelesen werden kann.
secure ... gibt an, ob das Cookie nur über eine sichere Verbindung (SSL) übertragen werden darf.

Weiters:
Ein Cookie kann maximal 4kB groß werden.
Pro Domain können können maximal 20 Cookies gespeichert werden.
Ein Browser kann maximal 300 Cookies speichern (ergibt also maximal 1,2MB Datenmüll).
Genaue Specs unter: www.netscape.com/newsref/std/cookie_spec.html

Die oben angeführten Elemente NAME und secure haben für den Anwender keine Bedeutung, path gibt an, wo das Cookie auf der Festplatte abgelegt wird. Das Ausgangsverzeichnis ist aber ein Unterverzeichnis im Installationsverzeichnis des Browsers und somit auch nicht von Belang.
expires gibt an wie lange ein Cookie "lebt". Je nach Anwendung sind das wenige Minuten (Webshop) oder auch Jahre. Letztlich ist auch das nicht wirklich wichtig.
Interessant hingegen ist domain. Dieser Parameter gibt an von welchen Domains (also Webservern -- grob gesprochen) das Cookie ausgelesen werden darf. Das macht Sinn, wenn mehrere Anbieter zusammenarbeiten. So ist Lisa u.U. kein unbeschriebenes Blatt mehr, wenn sie auf eine neue Webseite kommt und die Anbieter ihre Daten ausgetauscht haben.
Spätestens jetzt darf sich Lisa fragen, woher der Webshop, in dem sie noch nie war, ihren Namen, ihre Lieblingsbücher und des Katers Dosenfutter kennt. Wirklich kritisch wirds, wenn gleich ein Angebot für einen All-inklusive Urlaub auf ausgerechnet jener Mittelmeerinsel hereinflattert, die sie ein Jahr vorher bei einer online gebuchten Kreuzfahrt nur aus der Ferne gesehen hat.
Technisch ist sowas leicht realisiertbar und die wenigsten Onlineanbieten kümmern sich groß um Datenschutz.
Und selbst wenn, dann besteht immer noch die Gefahr, daß das Unternehmen von einem größeren Fisch geschluckt wird - und die Datenbank natürlich mit.

Für viele Internetnutzer mag es egal sein, wieweit ihr Surfverhalten nachvollziehbar ist, ich halte es jedoch für wichtig, daß er darüber informiert ist um selbst entscheiden zu können.
Alle mir bekannten Browser bieten die Möglichkeit Cookies abzuschalten. Nur leider gibt es viele Seiten, die mit deaktivierten Cookies nicht richtig funktionieren (meiner Meinung nach ein schwerer Designfehler).
Netscape- (auch Mozilla-)Browser erlauben die Einschränkung "Accept only cookies that get sent back to the originating server" um die Datenweitergabe an andere Server wenigstens etwas einzuschränken.
Eine bessere Methode sind kleine feine Progrämmchen, die Cookies verwalten und gegebenenfalls automatisch löschen (z.B. auf TUCOWS). Damit ist zwar der Sinn dahin, aber es surft sich leichter.

Wie so vieles im Leben habe auch die Cookies zwei Seiten. Eine würzig und süß duftende um Webseiten praktisch anpassen zu können, eine säuerlich leicht verbrannte, die an den Fingern klebt und nur schwer wieder anzuwaschen ist ...