IDORU, von William Gibson
Verlag: Heyne
ISBN 3-453-15636-6
16,90DM/123.-öS

Idorus sind Softwaregebilde, menschenähnliche Konstrukte als Ersatz für Schauspieler oder Mitglieder einer Popgruppe. Sie manifestieren den Durchschnitt, und sie gefallen dem Durchnitt.
Rei Toei ist so ein Idoru, und sie hat sich verliebt. In einen Menschen.

Gibson beschreibt eine nahe Zukunft. Tokio wird nach den Großen Beben wieder aufgebaut, teilweise mit Nanotechnologien, das Netz ist ein Teil unseres Lebens. In diesem Netz existiert Rei Toei als neustes und leistungsfähigstes Idoru. Auf der andere Seite, in der normalen Welt, gibt es die Popgruppe Lo/Rez und Rez will diese Idoru heiraten.
Als wichtige Zutat zum Gericht kommen dann noch Mitglieder des Lo/Rez-Fanclubs, ein paar Russen und eine Blondine.

Am Umschlag wird der Roman als "hellseherisch" und "elektrische Poesie" beworben. Ich weis nicht.
Gibson arbeitet die Charaktere gut heraus, aber alles etwas flach. Die Heros sind ein klein wenig zu wenig schräg, die Looser und Statisten machen ihre Sache eigentlich ganz gut (und loosen halt zuwenig). Die Geschichte ist aber viel zu dünn, konstruiert und birgt wenig Überraschungen.
Und was den Cyberspace angeht, das Netz, die Matrix, oder wie auch immer es genannt wird, da ist nichts, was wir nicht schon bei Tron hatten ... vor bald hundert Jahren oder so.
Es gibt frappierende Ähnlichkeiten zu Otherland von Tad Williams. Nur hat Williams mehr Phantasie bewiesen. Würde mich interessieren, wer da von wem abgeschr... -ähhh- inspiriert wurde.


Nett zu lesen, aber ein wenig schade um die Zeit.