Unterschiede der IR-Tauglichkeit zwischen
Nikon Coolpix 950 und 995

Durch eine Artikel in einer Fotozeitschrift wurde ich auf die Möglichkeit aufmerksam, Aufnahmen des nahen Infrarotbereiches auch mit einer Digitalkamera zu machen. Als Filter wurde auch eine Filterfolie, wie sie z.B. beim Brenner Foto Versand (Art.Nr.:8872, 80x80mm, 14.95DM) erhältlich ist, eingesetzt.
Da mir "ordentliche" IR-Filter (z.B. von B&W) zu teuer waren, habe ich die besagte Folie besorgt, auf 28mm zugeschnitten und doppelt verwendet. Die Fixierung am Objektiv erfolgte mit einem Adapterring.
Das Resultat war ein dunkler Rotfilter (mit miserabler Oberflächenvergütung :).

Das Ziel meiner IR-Knipserei war es nicht, Mädels durch die Wäsche zu schaun -das geht so nicht-, sondern zwei natürliche Effekte zu beobachten. Erstens die geringere Lichtbrechung bei größeren Wellenlängen und somit schärfere Bilder bei Dunst zu bekommen, und zweitens den sog. Wood-Effekt zu beobachten. Besonders der zweite Effekt hat einige sehr gute Bilder hervorgebracht. Eine kleine Sammlung gibts hier.

Anfang Juli 2001 habe ich mir eine neue Digitalkamera, die Nikon Coolpix 995 zugelegt. Sie ist die Nach-Nachvfolgerkamera der CP950, die beschriebende Filtermethode sollte somit 1:1 übertragbar sein.
Ich bin wie gewohnt in den Wald maschiert ... und tief frustriert wieder rausgekommen ... funktioniert nicht.


[2048x1536 - 679kB]
Ohne Filter macht die 995er -wie nicht anders zu erwarten- ein brauchbares Bild.

[2048x1536 - 734kB]
Mit Filter und automatischer Blende/Belichtungszeit sieht das Ganze fürchterlich aus.
Eine einzige schlecht belichtete Suppe.
Änderungen an den Einstellungen für Belichtungkorrektur bzw. Farbsättigung brachten keine besseren Resultate.

[2048x1536 - 776kB]
Erst eine massive Verlängerung der Belichtungszeit (8 Sek., Blende 2,6, 200 ASA) bringt den IR-Effekt hervor, aber nur, wenn man genau schaut.
Die Blätter bekommen jetzt einen leichten Stich nach rosa. Der Rest ist längst hoffnungslos Überbelichtet.

[1600x1200 - 430kB]
Und so soll es aussehen.
Ein Vergleichsbild mit meiner 950er, selber Filter und automatische Belichtung (1/8sek., Blende 2,6, 80 ASA).
Der rote Bildanteil ist, der kurzen Belichtungszeit entsprechend, eher ein dezentes Stilmittel, das lebende Grün dominiert hell blau-weiß.
Blätterwerk am Boden ist klar sichtbar.

Mein (trauriger) Schluß aus diesen Bildern ist, daß die Nikon Coolpix 995 fast IR-blind ist. Vermulich lassen sich mit einem richtigen IR-Filter brauchbare Aufnahmen machen, dann aber nur mit langer Belichtungszeit (Bäume halten selten so lange still).
Ein kurzer Gegencheck mit einer Infrarotfernbedienung -darauf hätte ich früher kommen können- bestätigt dies. Die Leuchtdioden erscheinen bei der CP950 sehr viel heller.