Die große ...
... Tour 2000
... und zurück ...
Im Februar 2000 nahm mein Kollege Robert und ich an einer Schulung im holländischen Hilversum teil. Die Firma Lucent unterhält dort ein Entwicklungs- sowie Trainingszentrum, und, zusammen mit etwa 15 weiteren Netzwerkern aus aller Herren Länder, drückten wir für drei Tage wieder einmal die Schulbank.
Das anschließende Wochenende benutzten wir für ausgedehnte Ausflüge "in das Nachtleben Hilversums", natürlich nach Amsterdam sowie Utrecht und Amersfoort.
Aber zuerst nach
HILVERSUM
Klein, recht nett, klein, sauber, klein, still, klein und fein. So könnte man Hilversum grob beschreiben.
Ähnlich dem "Der große Graben" in einer kleinen gallischen Ortschaft, wird Hilversum duch die Eisenbahnlinie geographisch zweigeteilt. Die zwei (?) Bahnübergänge werden daher nicht nur zum verkehrstechnischen, sondern auch zum beiderseitig interkommunikativen Knotenpunkt.
Diese Bahnübergänge sind übrigends mit einem Wärter besetzt, der für Sicherheit und Ordnung sorgt. Das hat zur Folge, daß ahnungslose Touristen mitten zwischen den Geleisen von einem verborgenen Lautspecher aus in einer unbekannten, aber höchst witzigen Sprache angeplärrt werden und natürlich nicht dan blassesten Schimmer haben, ob sie nach links oder nach rechts laufen sollen, ob es für soche Fälle eine Notschaufel gibt, mit der es sich jetzt aber gleich und sofort einzugraben gilt, ob's eh schon zu spät ist.
War lustig, kann ich Euch sagen.
Hilversum war deswegen gar so einprägsam, weil es mein erster Aufenthalt in Holland war. Daher überzeichne ich gelegentlich etwas. Aber nur gelegentlich.
Interessant waren z.B. die vielen kleinen Möbelgeschäfte. Nahezu jedes Haus verfügt über eine kleine und recht geschmackvoll eingerichtete Auslage. Ein Einwohner Hilversums hat mir dann erklärt, daß das die Wohnzimmer wären. Wie es scheint, hat sich das Imperium der Vorhanghändler doch noch nicht über die ganze Welt ausgedehnt.
Aber viel interesanter, ich möchte sogar sagen Überlebenswichtig, ist es die Unterschiede in der Verkehrsstruktur zu erfassen. Es gibt grob drei Gruppen. Zuerst, wie wohl überall, die Autofahrer. Da gibt es wenig zu berichten. Sie fahren, zumindest im Stadtgebiet, sehr vorsichtig. Wohl nicht zuletzt deshalb, weil sie bei einem Unfall mit einem "schwächeren" Verkehrsteilnehmer auf jeden Fall fällig sind.
Die zweite Gruppe sind die Radfahrer. Das ist dort oben ein Volkssport. Im Gegensatz zu den Autofahrern, haben die Radfahrer scheinbar keinerlei Regelwerk zu befolgen. Und sie treten in großer Zahl und oft in Rudeln auf. Vorsicht ist geboten.
Die dritte Gruppe, die Fußgänger, sind, vermutlich wegen der höchst erfolgreichen Jagdtaktiken der Radfahrer zahlenmäßig unbedeutend.
Aber jetzt Schmäh ohne, so lustig ist das nicht. In unseren Breiten achtet man bei einer Straßenüberquerung auf die Autos, und die machen Lärm. Die Radfahrer kommen lautlos, genauso schnell und in höherer Zahl daher.
Allgemein haben wir festgestellt, daß die Leute da oben (nicht nur in Hilversum) sehr nett sind (wenn sie Dich nicht gerade mit einem Fahrrad Bj. '45 überrollen). Die Sprache klingt für das ungeübte Ohr einfach köstlich. Das Essen ist gut, aber, genauso wie das Bier, teuer. Englisch kann fast jeder, deutsch wird auch oft zumindest verstanden.
Nun, Hilversum hatten wird bald durch. Sobald es die Zeit zuließ, setzten wir uns in den Zug und fuhren nach Amsterdam. Feine Sache, sag' ich Euch, feine Sache.
AMSTERDAM
Wer am Bahnhof aussteigt, sollte sich zuerst einmal in die "falsche" Richtung begeben. Nicht hin zum Stadtzentrum, sondern auf der anderen Seite raus, dort wo es zum Meer geht. Sieht toll aus.
Fähren fahren sehr häufig hinüber in einen anderen Stadtteil, der auf einer Insel liegt (wenn ich mich recht erinnere). Schöner Ausblick.
Auf der anderen Seite, wenn man das sehr schöne Portal den Bahnhofes verläßt (siehe Bild), befindet sich leicht links gegenüber, etwa 80 Meter entfernt, eine Touristeninformationsstelle (vvv). Dort gibts für gar nicht wenig Geld Pläne mit gar wenig Inhalt. Im selben Gebäude (bessere Bretterbude) befindet sich ein Coffee Shop, wo man neben ganz guten (und ganz normalen) Kaffee, wesentlich bessere Pläne und Stadtführer bekommt. Gratis.
Der Anfänger (also wir) bewegt sich schnurstracks vom Bahnhof weg in die "Innenstadt". Augen offen halten, es gibt viel zu sehen. Es ist eine sehr bunte Stadt. Die Überraschungen liegen aber ein klein wenig besser versteckt. Wer einen Blick in die winzigen Seitengassen riskiert, wird belohnt. Eine Straßenkarte ist dringend anzuraten, wirklich kompliziert ist es aber aufgrund der kreisförmigen Anlage der Stadt nicht.
Wir sind brav maschiert, haben gut gegessen, und hatten sehr viel Spaß in dieser Stadt.
Da will ich wieder hin ! Wer fährt mit ?
UTRECHT
Auch nicht schlecht, aber anders. Utrecht kam mit etwas kälter vor (ok, das Wetter war nicht so toll).
Bemerkenswert sind, genauso wie in Amsterdam, die winzigen Verbindungsgässchen, wo es schon mal eng wird, wenn jemand entgegenkommt. Das Glockspiel des Doms ist wunderbar, es zahlt sich aus mal einfach stehen zu bleiben und zuzuhören. Der Dom ist überhaupt eine Sache für sich. Das Mittelschiff ist anno 1674 eingestürtzt und so befindet sich nun zwischen Turm und Seitenschiff ... ein Park.
Eine nette Stadt, teilweise sehr weitläufig, modern, zuviele Fahrräder, fürchterlicher Bahnhof.
AMERSFOORT
Warum Amersfoort ... was ist dort ?
Nun, es war der nächte erreichbare Punkt auf der Landkarte, und geben tut es dort ... Ruhe. Absolute Ruhe. Zumindest am Bahnhof. Wir sind (no na) aus dem Zug ausgestiegen und als er dann weg war, war es am Bahnsteig absolut still. Kein Pfeifen, Brummen, Rumpeln, Hupen, Rascheln, Quietschen, keine Stimmen, weder menschlich noch tierisch. Einfach nix.
Das war sehr wahrscheinlich nur ein temporäres Phänomen, dennoch aber sehr interessant. Utrecht vorher war verdeixelt laut.
Nun, in Amersfoort wird man, hat man erst einmal den modernen, aber dennoch hübschen Bahnhof verlassen, von der radfahrenden Realität eingeholt ... und überrollt. Die Straße, die am Bahnhof vorbeiführt, hat zwei Radwege, zwei Fahrbahnen für Autos und zwei für Busse. Fußgänger müssen sich dazwischen irgendwie halblegal rettungsinselhopsend fortbewegen.
Es ist ein nettes Plätzchen mit schönen Seitengassen in denen sich, im Gegensatz zu Amsterdam, nichts abspielt. Aber schön sind sie. Der Markt ist eine feine Sache. Ob's dort auch viele schöne Blumen (natürlich Tulpen) gegeben hätte, schreib ich jetzt lieber nicht, weil der Robert hätte welche mit nach Hause bringen sollen. Hat er aber nicht. Und daher schreib ich lieber nix, damit er zu Hause keine Hiebe bekommt, weil er vom weltberühmten Amersfoorter Tulpenmarkt nichtmal ein Gänseblümchen mitgenommen hat. Die hätte es dort wahrscheinlich eh nicht gegeben, daher verstehe ich die Aufregung nicht so recht.
So, genug geschwatzt. Aus ist's.
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